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Meine liebste schleimige Superheldin

  • dina28116
  • 29. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Die vierte Hitzewelle diesen Sommer rollt an und fordert Körper und Geist auf vielfältige Weise. Hohe Temperaturen führen nicht nur zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust, sondern trocknen auch unsere Schleimhäute aus. Viele Menschen bemerken einen trockenen Hals, Reizhusten oder ein kratzendes Gefühl im Mund- und Rachenraum. Ich fühle mich wie ein Durchlauferhitzer. Auch nach 3 Liter Wasser bin ich noch durstig.

Genau hier kann eine altbewährte Heilpflanze aus der europäischen Naturheilkunde wertvolle Unterstützung bieten: die Eibischwurzel.


Aber zuerst: Ein kleiner Exkurs in die Welt des Schleims

Wenn wir an Aggregatszustände denken, fallen uns meist drei ein: fest, flüssig und gasförmig. Manchmal kommt noch das Plasma hinzu. Doch es gibt einen Stoffzustand, der in unserem Alltag allgegenwärtig ist und dennoch kaum Beachtung findet: Schleim.

Das Wort löst bei vielen Menschen zunächst Unbehagen aus. (Wer mich kennt der weiss, Unbehagen behagt mir. Mehr dazu im Blogbeitrag zum Blutegel ;) ) Dabei wäre Leben, wie wir es kennen, ohne Schleim kaum möglich.

Schleim besitzt faszinierende Eigenschaften. Er ist weder flüssig noch fest. Er kann fließen und gleichzeitig haften, Wasser binden und dennoch formstabil bleiben. Diese besonderen Materialeigenschaften entstehen durch lange Zuckermoleküle, sogenannte Mucine oder pflanzliche Schleimstoffe, die große Mengen Wasser in einer gelartigen Struktur festhalten. Genau diese Fähigkeit macht Schleim zu einem wahren Multitalent der Natur.


Ohne Schleim gäbe es kein Leben

Nahezu jede Lebensform nutzt Schleim. Unsere Augen werden durch einen hauchdünnen Schleimfilm feucht gehalten. Mund, Nase und Atemwege sind von Schleimhäuten ausgekleidet, die Krankheitserreger einfangen und das empfindliche Gewebe vor dem Austrocknen schützen. Im Magen bewahrt eine Schleimschicht die Magenwand vor der aggressiven Magensäure. Auch der Darm ist von einer Schleimschicht bedeckt, die Verdauung, Nährstoffaufnahme und das Gleichgewicht unseres Mikrobioms unterstützt.

Schleim begleitet sogar den Beginn neuen Lebens. Spermien bewegen sich durch den Zervixschleim, den Schleim welcher der Muttermund absondert. Dessen Beschaffenheit verändert sich im Zyklus und ermöglicht Fruchtbarkeit.

Doch nicht nur wir Menschen sind auf Schleim angewiesen. Fische schützen ihre Haut mit einer Schleimschicht vor Krankheitserregern. Amphibien halten ihre empfindliche Haut feucht. Schnecken gleiten auf ihrem Schleim über raue Untergründe. Korallen produzieren Schleim, um sich von Sedimenten zu befreien und Mikroorganismen zu ernähren. Selbst viele Mikroorganismen bilden schleimige Biofilme, die Lebensgemeinschaften ermöglichen. Schleim ist überall dort, wo Leben geschützt, verbunden oder in Bewegung gehalten werden muss.


Schleim – ein Meister der Balance

Interessanterweise erfüllt Schleim oft gegensätzliche Aufgaben gleichzeitig. Er schützt und lässt dennoch Austausch zu. Er bindet Wasser, ohne den Stoffwechsel zu behindern. Er ist weich und zugleich erstaunlich widerstandsfähig.

In der Materialforschung gilt Schleim deshalb als Vorbild für neuartige Gele, medizinische Beschichtungen und sogar selbstheilende Materialien. Die Natur hat dieses Prinzip schon vor Millionen von Jahren perfektioniert.

Vielleicht lohnt es sich, das Wort „Schleim“ neu zu betrachten. Was wir oft mit Krankheit oder Unangenehmem verbinden, ist in Wahrheit eine der genialsten Erfindungen der Natur. Vielleicht ist Schleim tatsächlich einer der am meisten unterschätzten Stoffzustände der Natur. Nicht spektakulär, nicht auffällig, aber unverzichtbar.


Pflanzen kennen ebenfalls Schleim

Auch Pflanzen nutzen Schleimstoffe – allerdings mit anderen Aufgaben.

Samen von Leinsamen, Flohsamen oder Chiasamen bilden beim Kontakt mit Wasser eine schützende Schleimhülle. Diese erleichtert die Keimung und schützt vor Austrocknung.

Heilpflanzen wie Eibisch, Malve, Spitzwegerich oder Isländisch Moos bilden reichlich Schleimstoffe. In der Pflanzenheilkunde werden sie seit Jahrhunderten eingesetzt, um gereizte Schleimhäute zu befeuchten, zu beruhigen und zu schützen. Die Schleimstoffe wirken dabei nicht pharmakologisch im klassischen Sinn, sondern physikalisch: Sie legen sich wie ein feiner Film über die Schleimhäute und unterstützen deren natürliche Schutzfunktion. Genau diese Fähigkeit machen wir uns nun zu Nutzen!


Warum Eibischwurzel bei Hitze so wohltuend ist

Die Wurzel des Eibischs (Althaea officinalis) enthält besonders viele Schleimstoffe. Diese pflanzlichen Polysaccharide legen sich wie ein feiner Schutzfilm über gereizte oder trockene Schleimhäute. Dadurch werden sie befeuchtet, beruhigt und vor weiteren Reizen geschützt.

Während viele Kräutertees an heißen Tagen eher schweißtreibend oder anregend wirken, besitzt Eibischwurzel eine sanfte, kühlende und befeuchtende Qualität. Gerade während längerer Hitzeperioden kann ein kalt angesetztes Eibischwurzelmazerat eine angenehme Möglichkeit sein, den Hals und die Schleimhäute zu pflegen.

Wichtig zu wissen: Die Schleimstoffe entfalten ihre Wirkung lokal auf den Schleimhäuten. Deshalb sollte das Mazerat langsam und schluckweise getrunken werden, damit sich der schützende Film gut bilden kann.


Pflanzenportrait: Der Echte Eibisch

Der Echte Eibisch (Althaea officinalis) gehört zur Familie der Malvengewächse und ist eine mehrjährige Staude mit samtig-weichen, graugrünen Blättern und zartrosa bis hellvioletten Blüten. Er bevorzugt feuchte Standorte wie Flussufer, Gräben oder salzhaltige Böden.

Auch in der Schweiz kommt der Echte Eibisch vor. Er wächst vor allem in wärmeren Regionen des Mittellandes sowie im Rhonetal und wird zudem häufig in Heilpflanzengärten kultiviert. Aufgrund seines natürlichen Vorkommens und seiner langen Tradition in der europäischen Pflanzenheilkunde zählt er zu den klassischen Arzneipflanzen unserer Region. Sein botanischer Name Althaealeitet sich vom griechischen Wort althainein ab, was so viel bedeutet wie „heilen“ oder „lindern“.


Rezept: Eibischwurzelmazerat

Da die wertvollen Schleimstoffe hitzeempfindlich sind, wird Eibischwurzel nicht mit kochendem Wasser übergossen, sondern kalt ausgezogen. Du benötigst

  • 2 Teelöffel geschnittene Eibischwurzel

  • 250 ml kaltes Trinkwasser

Zubereitung

Die Eibischwurzel mit dem kalten Wasser übergießen und 2 bis 8 Stunden – idealerweise über Nacht im Kühlschrank – ziehen lassen. Anschließend durch ein feines Sieb abgießen. Das Mazerat kann bei Zimmertemperatur oder leicht gekühlt langsam schluckweise getrunken werden. Frisch zubereitet schmeckt es angenehm mild und sollte innerhalb eines Tages verbraucht werden.

Die Eibischwurzel erhältst du unter anderem in meiner Partnerdrogerie der Natura Drogerie in Küttigen.



Wir verwenden die Wurzel des Eibisch für die Tee-Zubereitung.
Wir verwenden die Wurzel des Eibisch für die Tee-Zubereitung.

Wichtiger Hinweis zur Einnahme

Die in der Eibischwurzel enthaltenen Schleimstoffe bilden einen schützenden Film auf den Schleimhäuten. Genau diese erwünschte Eigenschaft kann jedoch auch die Aufnahme anderer Stoffe im Magen-Darm-Trakt verzögern oder vermindern. Dies betrifft insbesondere Medikamente, aber auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel.

Um Wechselwirkungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, Eibischwurzelmazerat oder Eibischwurzeltee mit einem zeitlichen Abstand von mindestens einer Stunde vor oder nach der Einnahme von Medikamenten zu trinken. So können sowohl die Arzneimittel als auch die wertvollen Schleimstoffe ihre Wirkung optimal entfalten.


In der Traditionell Europäischen Naturheilkunde betrachten wir Hitze nicht nur als äußeren Einfluss, sondern auch als Belastung für die Körpersäfte und die Schleimhäute. Althaea hilft uns effektiv dabei unser individuelles Säftegleichgewicht zu erhalten. Ich verspreche dir, für jede Herausforderung ist direkt vor deiner Haustüre ein Kraut gewachsen. Schalte einen Gang runter Gönn, dir zwei Tässchen Eibischtee pro Tag und geniess die lauen Sommernächte.



 
 
 

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